Ein Samstag Nachmittag

Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Samstag Nachmittag zu verbringen. Eine davon ist drei Kinofilme nacheinander zu schauen. Zugegeben nicht die offensichtlichste Möglichkeit, aber man muss es mal getan haben. Warum? Weil ich nicht der Einzige sein will der sowas tut!

Eigentlich stand nur Rango auf dem Programm. Meine Kollegen haben sich jedoch vorerst nicht gemeldet oder abgesagt (als ob man einen 3 Monate alten Balg nicht für ein paar Stunden zu Hause einsperren kann, wo soll er schon hin – kann ja noch nicht laufen). Ich gehe jedoch nicht alleine einen Film anschauen. Die Lösung: ich gehe alleine drei Filme anschauen. Kaum entschieden und reserviert melden sich natürlich noch zwei Kollegen: Warum die Umfrage geschlossen sei und ob man sich nicht mehr anmelden könne? Hmpf!

Rango
Nachmittagsvorstellungen sind anders:
1. Das Kino ist nicht voll. Etwa 30 Leute verteilen sich auf 8 Reihen. 10 sind im Vorschulalter, 10 gehen in die Schule und 10 gehen nicht in die Schule (die Eltern und ich).
2. Die beiden Erwachsenen vor dir die miteinander reden, haben nicht einen Platz zwischen sich freigelassen. Da sitzt ein Kind dessen Grösse im sitzenden Zustand kleiner ist als die Rückenlehne des Kinositzes.
3. Erwarte nicht, dass das Geplapper bei Filmbeginn aufhört.
4. Du wirst bemerken dass du den falschen Humor für diesen Film hast. Die Kinder werden an Stellen lachen bei denen du absolut keinen Witz erkennst und du wirst alleine an Stellen lachen an denen die Kinder (UND deren Eltern) den Witz nicht verstehen. Erstaunte Blicke aller Anwesenden eingeschlossen.

Nun aber zum Film selbst. Rango ist ein Animationsfilm. Allerdings einer der ein wenig aus der Reihe fällt. Die Kamera verhält sich eher wie in einem Action Film, inklusive gut dosierten Stop oder Slow-Motion Szenen. Vielleicht ist es heute schwierig eine Szene nicht an eine Szene in einem anderen Film erinnern zu lassen aber ich hatte das Gefühl dass auffallend viele Referenzen auf andere Filme auftauchten. Der Barkeeper zum Beispiel erinnert mich stark an Jabba the Hutt aus Star Wars.

Für einen Animationsfilm gibt es erstaunlich viele und auch lange Textsequenzen, diese lassen den Film teilweise auch etwas träge erscheinen. Jedoch nur um dann wieder von einer schnellen und beeindruckenden Action-Sequenz abgelöst zu werden. Ebenfalls ungewöhnlich für diese Art Filme: es gibt sehr viele unterschiedliche Figuren und sie tauchen mitnichten innerhalb der ersten Viertelstunde auf. Die Figuren und deren Eigenarten sind es auch die den Charme des Films ausmachen, weniger die Handlung. Rango erfindet das Genre nicht neu aber ein paar witzige Einfälle heben ihn vom Rest ab. Sehenswert.

Unknown Identity
Der Film wird teilweise auch nur mit Unknown betitelt. Er scheint sich da selbst unsicher zu sein. Unknown ist ein intelligenter Thriller der komplett auf überdimensionierte Action Szenen verzichtet. Es dreht sich alles um die Frage warum die Hauptfigur, gespielt von Liam Neeson, nach einem Autounfall von seiner Frau nicht mehr erkannt wird und plötzlich ein anderer Mann an Ihrer Seite ist. Warum verschwindet die Taxifahrerin (Diane Kruger) vom Unfallort?

Der Film spielt komplett in einem authentischen Berlin von dem man sehr viel zu sehen bekommt. Durch die Synchronisation gehen ein paar Details verloren da halt bei uns alle Deutsch sprechen. Das grosse Warum bleibt bis zum Schluss spannend und ändert sich dann überraschend nochmal obwohl man dachte die vermeintliche Lösung nun gefunden zu haben. Die Handlung gepaart mit den hochkarätigen Schauspielern (Bruno Ganz in einer grandiosen Nebenrolle als ehemaliges Stasi Mitglied) lässt diesen Film wirklich aus der Masse hervorheben. Freunde von Filmen in denen nicht alle 10 Minuten ein Gebäude zerstört wird, sollten sich diesen Streifen unbedingt ansehen.

The Adjustment Bureau
Auf Deutsch Der Plan ist eigentlich eine Liebesgeschichte gespickt mit etwas Inception und Matrix. Auch dieser Film verzichtet auf Explosionen aller Art und das „Aussergewöhnliche“ hält sich in fest definierten Grenzen. Die Handlung wird definiert durch die Frage wer diese Leute mit den Hüten sind, die offenbar die Wege eines Menschen nach einem Plan beeinflussen können und warum sie unbedingt wollen dass die Hauptfigur nicht mit seiner Angebeteten zusammen kommt.

Das Warum wird geklärt und löst sich auch in einem Happy End auf. Das Wer aber bleibt offen obwohl es geschickt auf eine Person namens der Vorsitzende konzentriert wird. Dem Zuschauer wird durch Andeutungen im Film eine mögliche Erklärung geboten wer der Vorsitzende ist, ohne es dann zu bestätigen.

Der Film fühlt sich in keinem seiner Genres richtig wohl aber gerade diesen Mix macht in sehenswert. Gerettet haben ihn auch die gut durchdachten Dialoge und ein überzeugender Matt Damon.

So ging er dahin der Samstag Nachmittag und endete in einem Besuch im Cha Cha Westside und der anschliessenden Heimfahrt. Ganz alleine war ich dann doch nicht, zum letzten Film und dem Essen hat sich noch eine Kollegin dazu gesellt.

Bilanz:
– Nachmittagsvorstellungen eines Filmes mit FSK 0 sind ab sofort tabu.
– Ich bin immer noch gut darin anhand des Trailers zu entscheiden ob ein Film in meine Augen sehenswert ist oder nicht.
– Das Essen im Cha Cha trifft meinen Geschmack.